2026-11-04T09:41:01+0000

DAT-Barometer: Werkstätten blicken verhalten auf 2027 – viele Herausforderungen belasten das Geschäft

Die Aussichten für das kommende Geschäftsjahr bleiben verhalten. Nur wenige Kfz-Werkstätten rechnen 2027 mit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. Das zeigt das aktuelle DAT-Barometer für Oktober 2026, für das über einen dreiwöchigen Zeitraum 413 Werkstätten online befragt wurden. Die Ergebnisse der aktuellen Befragung zeigen zudem, unter welchem Veränderungs- und Kostendruck die Betriebe stehen: Hohe Investitionen in Technik und Elektromobilität, ein zunehmend kostenbewusstes Kundenverhalten und Veränderungen im Unfallreparaturgeschäft prägen den Werkstattalltag. ## Nur jeder zwölfte Betrieb geht von Verbesserung der Lage aus Die Erwartungen für 2027 fallen zurückhaltend aus. Lediglich zwölf Prozent der befragten Markenwerkstätten und freien Betriebe beurteilen ihre Geschäftsaussichten als besser oder deutlich besser. Knapp die Hälfte rechnet mit einer gleichbleibenden Entwicklung, während 29 Prozent der Markenbetriebe und 25 Prozent der freien Werkstätten einen leichten Rückgang erwarten. Durchaus bemerkenswert: Die Sorge vor einem deutlich rückläufigen Geschäft scheint bei den Markenbetrieben größer zu sein. Während 15 Prozent der Markenwerkstätten mit einem deutlichen Rückgang rechnen, sind es auf Seiten der freien Betriebe nur neun Prozent. Dass die Prognosen verhalten ausfallen, dürfte auch mit den zahlreichen Herausforderungen zusammenhängen, vor denen die Reparaturbetriebe stehen. Besonders die notwendigen Investitionen und die damit verbundenen Kosten beschäftigen die Branche. ## Hoher Investitionsdruck vor allem im Bereich der E-Mobilität Vor allem die Antriebstransformation hin zur Elektromobilität scheint für viele Betriebe herausfordernd zu sein. Laut DAT-Barometer stimmen 85 Prozent der Werkstätten der Aussage zu, dass die Investitionen in Werkstatttechnik, Elektromobilität und Mitarbeiterausbildung enorm seien. Gleichzeitig bringen E-Autos bislang vielerorts noch nicht die erhofften zusätzlichen Aufträge: 56 Prozent der Betriebe haben nach eigenen Angaben kaum Reparaturaufträge an Elektrofahrzeugen. Jede zweite Werkstatt glaubt zudem, dass ihr durch die Elektromobilität künftig Umsätze fehlen werden, etwa durch das wegfallende Ölgeschäft. Kurzfristig sorgt der alternde Fahrzeugbestand mit Verbrennungsmotoren allerdings noch für eine gute Auslastung. 65 Prozent der Befragten rechnen damit, dass ältere Pkw weiterhin ausreichend Arbeit in die Werkstätten bringen. ## Kunden fragen vermehrt nach Schwarzarbeit Auch das Kundenverhalten verändert sich. 92 Prozent der Betriebe beobachten eine Entwicklung hin zu mehr Kostenbewusstsein. Kunden fragen häufiger nach Kostenvoranschlägen, lassen nur noch das Nötigste reparieren und verhandeln stärker über Preise. Bemerkenswert: 22 Prozent der Befragten, also mehr als jede fünfte Werkstatt, berichten, dass Kunden vermehrt nach Arbeiten ohne Rechnung fragen. Hinzu kommt, dass auch die Zahl fiktiv abgerechneter Schäden in diesem Jahr merkbar anstieg. [Das bestätigten auch Schadensteuerer und Kfz-Versicherer beim Schadentalk auf der Automechanika im September.](https://youtu.be/i_z6MwzpI-8?si=ZqzTBlMPfsrURyT8) „Aufgrund der wirtschaftlichen Situation vieler Versicherungsnehmer ist die Tendenz zu einer fiktiven Abrechnung heute größer als vor ein paar Jahren“, betonte beispielsweise Martin Schneider von der HUK-Coburg im Talk. ## KI soll Schadenprozesse beschleunigen Unabhängig davon rückt die Künstliche Intelligenz zunehmend in den Fokus der Werkstätten. Besonders großes Potenzial sehen die Betriebe bei der automatisierten Bilderkennung und Schadenserfassung (75 Prozent der Markenwerkstätten und 57 Prozent der freien Betriebe). Auch Korrekturvorschläge bei der Eingabe von Schäden sowie Teilevorschläge auf Basis anderer Kalkulationen werden als hilfreich und relevant benannt. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Werkstätten KI als Chance betrachten, Abläufe zu beschleunigen und Mitarbeiter bei Routineaufgaben zu entlasten. Allerdings ist die Akzeptanz nicht uneingeschränkt: 15 Prozent der Markenbetriebe und 26 Prozent der freien Werkstätten halten keine der abgefragten KI-Anwendungen für relevant. Das aktuelle DAT-Barometer macht damit deutlich: Die Werkstätten müssen ihre Wirtschaftlichkeit sichern und gleichzeitig erhebliche Veränderungen bewältigen.
Lesens Wert

Mehr zum Thema