2026-07-01T08:59:51+0000

Lackierroboter Jetstream im Praxiseinsatz: Pilotpartner ziehen erste Bilanz

Seit einigen Wochen lackiert der Roboter Jetstream im Boya Karosserie- und Lackierzentrum in Hannover unter realen Werkstattbedingungen Fahrzeuge und Bauteile. Bei einer Live-Demonstration von SATA Automation, Glasurit und der Werkstattgruppe Aribos vergangenen Donnerstag (25.06.) erhielten rund 50 Interessierte – darunter Betriebe, Handelspartner, Vertreter der Fachpresse sowie Schadensteuerer – erstmals Einblicke in den laufenden Pilotbetrieb. Im Gespräch mit schaden.news bewerten die Projektpartner die bisherigen Erfahrungen und ordnen die Bedeutung der Technologie für den Schadenmarkt ein. ## Erste Erfahrungen aus dem Werkstattalltag Für SATA Automation steht vor allem die Praxiserprobung im Fokus. Nach mehreren Jahren Entwicklungsarbeit und umfangreichen Tests im eigenen Haus sei die Zusammenarbeit mit einem Pilotbetrieb ein wichtiger Schritt gewesen. „Wir sehen, dass die Lackierergebnisse hinsichtlich Farbton, Schichtstärke und Genauigkeit sehr gut sind“, erklärt David Rau, General Manager bei SATA Automation. Gleichzeitig zeige sich im Werkstattalltag, wo noch Optimierungspotenzial liege. Auch aus Sicht des Pilotbetriebs fällt die erste Bilanz positiv aus. Nach Angaben von Tobias Brefeld, CEO der Werkstattgruppe Aribos, wurden bislang rund mehrere dutztend Reparaturaufträge mit dem Roboter lackiert. „Alle Jobs, die mit dem Roboter durchgeführt wurden, konnten auch ausgeliefert werden“, betont er. Gleichzeitig arbeite das Team daran, den Anteil der automatisierten Lackierungen schrittweise zu erhöhen. ## „Meilenstein in der Autoreparaturlackierung“ Für Glasurit ist die Pilotierung Teil eines größeren Trends. Digitalisierung und Automatisierung gewinnen auch in der Lackierung zunehmend an Bedeutung, ist sich Deutschland-Chef Hendrik Franke sicher. Alexander Bru, Regional Business Manager für das Autoreparaturgeschäft, sprach beim Vor-Ort-Termin zudem von „einem Meilenstein in der Autoreparaturlackierung“ und zeigte sich davon überzeugt, dass Roboter ein „integraler Bestandteil der Zukunft“ sein werden. Robotik könne dabei helfen, Prozesse zu standardisieren und Betriebe produktiver aufzustellen. Nach Einschätzung von Glasurit dürfte die Technologie zunächst vor allem für größere Betriebe und Werkstattgruppen interessant sein. Ausschlaggebend seien Investitionsvolumen, Auslastung und die erzielbaren Produktivitätsgewinne. Gleichzeitig beobachten die Partner, dass auch kleinere Betriebe zunehmend Interesse an Automatisierungslösungen zeigen. ## Robotik als Baustein der Werkstatt von morgen Im Werkstattablauf verändert sich durch den Jetstream bereits heute die Prozesssteuerung. Fahrzeuge werden bei Boya inzwischen danach eingeplant, ob sie für
die Roboterapplikation geeignet sind oder konventionell lackiert werden. Damit entstehen neue Abläufe, die parallel zur technischen Weiterentwicklung des Systems erprobt werden. Einig sind sich die drei Projektpartner darin, dass die Entwicklung noch am Anfang steht. Während heute viele Arbeitsschritte noch begleitet und überwacht werden müssen, erwarten sie in den kommenden Jahren deutlich höhere Automatisierungsgrade. Nach Angaben von David Rau sind aktuell rund 4.000 Fahrzeuge in der Datenbank hinterlegt, täglich kämen neue hinzu. Darüber hinaus könne der Jetstream, Stand heute, 30 Prozent aller Lackieraufträge bereits bewerkstelligen – das Ziel sind 80 Prozent, hieß es in Hannover. Auch sind sich die Projektpartner einig, dass Robotik künftig nicht die einzige Lösung sein wird, sondern Teil eines Netzwerks aus digitalen und automatisierten Prozessen. Für K&L-Betriebe könnte genau darin der entscheidende Nutzen liegen: Fachkräfte gezielter einzusetzen, Abläufe zu standardisieren und zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Ob und in welchem Umfang weitere Aribos-Standorte künftig mit Lackierrobotern arbeiten werden, ist noch offen. Die Erfahrungen aus Hannover werden jedoch aufmerksam verfolgt – nicht nur innerhalb der Werkstattgruppe, sondern in der gesamten Branche.
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