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2026-03-04T10:07:36+0000

„Manchmal sehe ich in meinem Job Autos, da blutet mir das Herz“

Celia Carbo-Gonzalez ist eine bemerkenswerte Frau, die einem in Erinnerung bleibt. Nicht nur wegen ihres markanten, schwarz-roten Ponys, sondern auch wegen ihrer Leidenschaft: Die Fahrzeuglackierermeisterin hat nämlich ein großes Herz für Old- und Youngtimer. Beruflich kümmert sie sich hingegen um viel neuere Fahrzeuge: Als Fahrzeugbewerterin für DEKRA nimmt die 26-Jährige Leasingrückläufer genau unter die Lupe, meist im Auftrag großer Flotten. ## Beruf erfordert Erfahrung und genauen Blick Ihre Aufgabe ist es, jeden noch so kleinen Schaden aufzuspüren. Egal ob Kratzer, Delle, Beule oder Roststelle: Alle Arten von Blessuren bewertet sie und gibt auch eine Reparaturempfehlung dafür ab. Das erfordert viel Erfahrung und den genauen Blick. „Und manchmal sehe ich Autos, da blutet mir das Herz, wie sie von ihren Fahrerinnen und Fahrern behandelt und hinterlassen wurden“, berichtet sie. Rund zwölf bis 15 Fahrzeuge pro Tag schaut sie sich an, ist meistens im Zweiterteam unterwegs. „Ich mag an meinem Job vor allem, dass ich soviel herumkomme und immer wieder neue Menschen kennenlerne“, erzählt sie im schaden.news-Gespräch. ## Leidenschaft für Fahrzeuge: Von null auf 100 Aus einem autofreien Haushalt stammend, hat sich Celia Carbo-Gonzalez in den vergangenen sechs Jahren zu einer wahren Autonärrin entwickelt. „Schuld“ daran war wohl maßgeblich ihr Verlobter. „Seine Leidenschaft für alte Fahrzeuge und auch Tuning ist irgendwie auf mich abgefärbt“, erzählt sie lachend. In ihrem gemeinsamen Fuhrpark, für den das Paar eine Halle angemietet hat, stehen unter anderem ein Golf 2 aus dem Jahr 1991, ein 190er Mercedes – auch „Babybenz“ genannt –, ein Porsche 911 Baujahr 1993 und eine Harley Sportster. Regelmäßig ist sie auf Oldtimerausfahrten und bei Tuningtreffen unterwegs. ## Die Optik hat’s ihr angetan Dabei ist ihr Blick geschärft für Highlights, Glanz und Effekte. Ihre Lieblingsfarbe: Grün Metallic. „Die Optik eines Fahrzeugs war mir schon immer sehr wichtig“, berichtet sie, warum sie überhaupt den Weg zur Fahrzeuglackiererin eingeschlagen hat. Dabei war der Einstieg in diesen Beruf gar nicht so einfach. „Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Doch damals war offenbar noch nicht jeder Betrieb bereit, eine Frau für diesen Beruf auszubilden“, erinnert sie sich. Schließlich erlernte sie diesen Beruf zunächst in einem Autohaus in Düsseldorf und schließlich in einer kleinen Lackiererei. Als frisch gebackene Gesellin kam sie zu DEKRA in ihren heutigen Job. ## Traumjob: Oldtimer-Sachverständige Selbst in der Lackierkabine steht Celia heute nur noch selten. „Dabei würde ich das tatsächlich gern wieder viel häufiger machen“, gibt sie zu. Immerhin: in der Meisterschule, die Celia im vergangenen Jahr in Vollzeit absolviert hat, hatte sie hin und wieder Gelegenheit dazu. Nächster beruflicher Wunsch wäre Sachverständige für Oldtimer – „das wäre tatsächlich mein Traumjob!“ ## Trauzeugin ist Kfz-Mechanikerin In ihrem täglichen Umfeld sieht Celia Carbo-Gonzalez nach eigenem Eindruck zunehmend mehr Frauen in handwerklichen Auto-Berufen. „Es sind deutlich mehr als noch sechs Jahren, als ich selbst zur Berufsschule gegangen bin“, blickt sie zurück. Dennoch sagt sie: Viele junge Frauen haben immer noch Hemmungen, sich auf einen Werkstattjob zu bewerben. Oder sie haben kein „dickes Fell“, um die manchmal derben Sprüche von männlichen Kollegen auszuhalten“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Dennoch freut sie sich über jede Frau, die den Mut hat, sich der Herausforderung im Handwerk zu stellen. So wie ihre zukünftige Trauzeugin: „Die ist nämlich Kfz-Mechanikern“, verrät Celia Carbo-Gonzalez abschließend.