2026-01-21T09:20:25+0000

Familienbetrieb setzt auf Sustainable Repair Network: „Kleine Hebel, große Wirkung“

Karosserie Baur gehört seit mehr als fünf Jahrzehnten zu den festen Größen der Reparaturbranche im Raum Rottenburg. 1971 als reine Lackiererei gegründet, kam wenige Jahre später die Karosserieabteilung hinzu. Seit 1984 sitzt der Betrieb im Gewerbegebiet Siebenlinden und wird inzwischen in zweiter Generation von Fahrzeuglackierermeisterin Jasmin Baur-Vollmer und ihrem Mann Sebastian Vollmer geleitet. Ihr Credo: Tradition und Qualität mit modernen Anforderungen vereinen. Dazu gehört für sie auch das Thema Nachhaltigkeit. Als einer der ersten Betriebe in Deutschland das Familienunternehmen deswegen dem Sustainable Repair Network (SRN) vom Lackhersteller AkzoNobel bei. ## „Wollte schwarz auf weiß sehen, wo wir stehen“ Erstmals aufmerksam wurde sie 2023 auf das Netzwerk, [als das Konzept auf einer Regionalfachtagung von Acoat Selected vorgestellt wurde.](https://schaden.news/de/article/link/44313/acoat-selected-regionaltagung-2024) Die Idee einer strukturierten Nachhaltigkeitsbewertung, kombiniert mit praxisnaher Beratung, ließ sie nicht mehr los. „Das war der Moment, in dem ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt habe. Ein Bestandsgebäude aus den 1980er-Jahren nachhaltig weiterzuentwickeln, ist um ein Vielfaches anspruchsvoller, als neu zu bauen. Aber genau deshalb wollte ich es richtig anpacken“, erinnert sich Betriebsinhaberin. Anfang 2025 startete der Betrieb schließlich aktiv in den [dreistufigen Prozess des Sustainable Repair Networks.](https://schaden.news/de/article/link/44597/sustainable-repair-network-interesse-ist-gross) Für die Unternehmerin markierte der Einstieg vor allem die Chance, ein klares und sachliches Bild vom energetischen und organisatorischen Status quo zu erhalten. „Ich wollte schwarz auf weiß sehen, wo wir stehen – und welche Potenziale wir noch nutzen können“, erklärt sie. ## Über dem Durchschnitt: „Maßnahmen zahlen sich tatsächlich aus“ Der Prozess begann mit dem sogenannten Carbon Pulse, ein cloudbasiertes Tool mit dem Kennzahlen, wie z. B. der Energieverbrauch pro verkaufter Stunde oder pro Reparatur, sichtbar gemacht werden können. Anschließend folgte die Energy-Pulse-Bewertung, die sich auf die bauliche und technische Infrastruktur des Betriebs konzentriert und nach europaweit einheitlichen Kriterien bewertet wird. Während der europäische Durchschnitt bei 56 Punkten liegt, erreichte Karosserie Baur mehr als 70 Punkte – ein Ergebnis, das im Team für spürbare Motivation sorgte. „Das hat uns bestätigt: Viele der Maßnahmen, die wir in den vergangenen Jahren umgesetzt haben, zahlen sich tatsächlich aus. Man sieht sie vielleicht nicht sofort in Tabellen oder Statistiken, aber sie machen im Alltag einen enormen Unterschied“, so die Inhaberin. ## Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag: Kleine Schritte, die Wirkung zeigen Die betrieblichen Anpassungen, die zu diesem Ergebnis beitragen, sind vielfältig – und meist deutlich unscheinbarer, als man vermuten würde. So wurde die ursprüngliche
Beleuchtung aus dem Baujahr 1984 vollständig auf moderne LED-Technik umgerüstet, was sowohl den Stromverbrauch senkte, als auch die Lichtqualität in den Arbeitsbereichen sichtbar verbesserte. Ebenso wurde hinter dem Druckluftkessel ein Absperrventil erneuert, um Druckverluste zu vermeiden – eine Maßnahme, die kaum sichtbar ist, aber dauerhaft Energie spart. In Kürze sollen außerdem große Deckenventilatoren installiert werden. Das Ziel: Im Sommer sollen sie für angenehme Kühlung sorgen und im Winter die Wärme effizienter verteilen, wodurch Heizkosten reduziert werden. „Solche kleinen Schritte sind es oft, die die größte Wirkung haben. Man sieht sie nicht, man spricht nicht groß darüber, aber sie reduzieren den Energieverbrauch spürbar“, betont Baur-Vollmer. Gleichzeitig setzt der Betrieb auch auf technologische Innovationen wie den PaintPerformAir. „Meine erste Intention war: Wenn es meinen Kollegen die Arbeit erleichtert, ist es super. Wenn wir dadurch zusätzlich Energie einsparen, umso besser.“ ## Nachhaltig weiterarbeiten – mit den Möglichkeiten, die vorhanden sind Da das Betriebsgebäude aus dem Jahr 1983 stammt, ist eine umfassende Sanierung derzeit kein Thema. Auch eine Photovoltaikanlage lässt sich aufgrund der statischen Gegebenheiten nicht realisieren. Für die Unternehmerin bedeutet das jedoch keineswegs Stillstand. „Mir ist wichtig, mit den Gegebenheiten zu arbeiten. Prozessoptimierung bleibt das A und O. Man muss alle Möglichkeiten im Blick behalten – auch wenn es nicht die großen baulichen Veränderungen sind“, sagt sie. Genau deshalb sieht sie in dem von AkzoNobel initiierten Netzwerk eine große Chance: Es ermöglicht fundierte Beratung mit minimalem Aufwand. „Ich habe kaum Aufwand und nur wenig bis gar keine Kosten – je nachdem, welche Maßnahmen man am Ende umsetzt. Einfacher, als wenn ein Berater direkt zu mir in den Betrieb kommt, geht es wirklich nicht.“ ## Zertifizierung als Signal an Kunden und Auftraggeber Im Herbst 2025 wurde der Betrieb als einer der ersten in Deutschland in das Sustainable Repair Network aufgenommen, in dessen Rahmen dem Team auch zertifiziert wurde, dass es nachhaltig arbeitet. Für Jasmin Baur-Vollmer ist die Zertifizierung weit mehr als ein Dokument an der Wand. Sie versteht sie als wichtiges Signal nach außen – vor allem gegenüber Versicherungen, Flottenkunden und neuen Auftraggebern. „Das Zertifikat zeigt: Wir arbeiten nachhaltig und denken langfristig. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch ein Qualitätsmerkmal, das Vertrauen schafft“, sagt sie. Gleichzeitig hat die Beratung im Rahmen des Netzwerks ihr persönlich neue Denkanstöße gegeben. „Ich wurde weiter sensibilisiert. Und ich freue mich ganz persönlich, wenn ich mit den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten etwas erreichen kann.“ ## „Man kann nur gewinnen“ Aktuell sind rund 20 Betriebe im Netzwerk zertifiziert, etwa 40 weitere befinden sich bereits im Prozess. Für Baur-Vollmer ist klar, dass der Weg in das Sustainable Repair Network für viele Werkstätten eine realistische und sinnvolle Option ist: „Ich kann das allen Kollegen nur empfehlen. Der Aufwand ist wirklich sehr gering im Verhältnis zu einem absolut vernünftigen Ergebnis. Ich habe nichts zu verlieren – wir können durch diese Maßnahmen nur gewinnen.“ Mit rund 30 reparierten Fahrzeugen pro Woche, einem ausgewogenen Mix aus Privatkunden, Schadensteuerung und Flottenkunden sowie einem stabilen Ausbildungskonzept seit 1972 sieht sich der Familienbetrieb so bestens für die Zukunft aufgestellt. Und auch wenn die großen baulichen Modernisierungen derzeit nicht möglich sind, zeigt Karosserie Baur, dass nachhaltiges Arbeiten längst kein Projekt der großen Schritte mehr ist – sondern eine Aufgabe, die sich täglich neu im Detail beweist.
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