2026-06-03T09:58:36+0000

Hagelscanner im Härtetest: Reproduzierbarkeit wird bei BVAT-Benchmark zum Maßstab

Am DEKRA Lausitzring hat der Bundesverband Ausbeultechnik und Hagelinstandsetzung (BVAT) Ende April den zweiten Hagelscanner-Benchmark durchgeführt. Rund 250 Fachbesucher aus Versicherung, Sachverständigenwesen, Instandsetzung und Technologie verfolgten den direkten Vergleich der führenden KI-gestützten Scannerlösungen zur digitalen Hagelschadenerfassung. Unterstützt wurde das Format unter anderem von DEKRA als Hauptsponsor und Gastgeber, zudem führte der DAT-Manager Axel Krüger von der Deutschen Automobil Treuhand moderierend durch das Programm. Im Mittelpunkt stand diesmal nicht mehr allein die Frage, welcher Scanner die meisten Dellen erkennt. Bewertet wurden vor allem reproduzierbare Ergebnisse, transparente Schadenbewertung und die Integration digitaler Prozesse. Für Versicherer, Sachverständige und K&L-Betriebe zeigt sich damit zunehmend: Die Branche arbeitet an einheitlichen Standards für die digitale Hagelschadenanalyse. ## Bewusst erschwerte Testbedingungen Nach der Premiere 2025 in Ibbenbüren hat der BVAT sein Benchmark-Format deutlich erweitert. Am Lausitzring wurden die Testfahrzeuge erstmals gezielt und kontrolliert durch eine unabhängige 10-köpfige Expertenjury beschädigt. Die Hersteller kannten weder Anzahl noch Position der gesetzten Dellen. Ziel war es, unter identischen Bedingungen belastbare Vergleichswerte zu schaffen. Am Benchmark nahmen nahezu alle relevanten Anbieter von Scannerlösungen des deutschen Marktes teil: ADI (Drive’n’Scan), HaSt (BUHDA X-press), NTA (Elscope Vision) und Autoscan mit seinem gleichnamigen Scanner. Jedes System absolvierte zwei vollständige Scandurchläufe auf insgesamt vier Fahrzeugen mit unterschiedlichen Lackierungen und Oberflächenstrukturen. Gerade diese Kombination aus kontrollierten Schäden und anspruchsvollen Reflexionsbedingungen sollte zeigen, wie stabil die Systeme unter reproduzierbaren Bedingungen arbeiten. ## Reproduzierbarkeit wichtiger als reine Trefferquote Damit verschiebt sich die Diskussion im Markt zunehmend hin zu belastbaren Prozessdaten. Denn für Versicherer und Flottenbetreiber zählt im Hagelschadenmanagement nicht allein die Geschwindigkeit der Schadenaufnahme. Entscheidend ist vor allem, ob Ergebnisse nachvollziehbar, reproduzierbar und kalkulationssicher sind. Der BVAT will mit dem Benchmark deshalb eine Grundlage für mehr Vergleichbarkeit und Standardisierung schaffen. BVAT-Präsident Lars Rottmann betonte bereits vor dem
Benchmark: „Wir verbinden technische Präzision mit prozessualer Ganzheitlichkeit und schaffen eine Plattform, die weit über die reine Technikbewertung hinausgeht.“ ## „Transparenter Referenzrahmen für die gesamte Branche“ Die konkreten Ergebnisse [können auf der Website des BVAT eingesehen werden.](https://www.bvat.de/index.php/2-hagelscanner-benchmark/#flipbook-df_13005/1/) Fakt ist: es gab keinen eindeutigen Gesamtsieger über alle Bewertungskriterien hinweg. Je nach Fahrzeug, Lackierung und Bewertungslogik lagen unterschiedliche Systeme vorne. Mit Blick auf die Anzahl der gezählten Dellen sowie der Durchschnittswerte schnitten sowohl die HaSt GmbH mit ihrem BUHDA-Scanner als auch das Drive’n’Scan-System von ADI gut ab. Hauptproblem für alle Systeme: künstlich erzeugte Schäden weichen teilweise von realen Hageldellen ab und werden deshalb von den Systemen nicht oder schlechter erkannt. Die Bedeutung des Benchmarks ist dennoch groß für die Branche, wie auch der Hersteller Autoscan betont: „Die Anforderungen an automatisierte Schadenbewertung entwickeln sich kontinuierlich weiter und müssen regelmäßig unter realistischen Bedingungen überprüft werden. Genau dafür ist das Format von BVAT und DEKRA wertvoll – als transparenter Referenzrahmen für die gesamte Branche.“ Nicht zuletzt fließen die Erkenntnisse aus dem Benchmark direkt in die Weiterentwicklung der Systeme ein. ## Hagelscanner als Bestandteil eines digitalen Schadenprozesses Parallel zum Praxistest diskutierten Experten von DAT, Audatex AUTOonline, aspaara und Tomago über KI-gestützte Prozessoptimierung und digitale Workflows im Schadenmanagement. Damit wurde deutlich: Die Branche betrachtet Hagelscanner zunehmend nicht mehr als Einzeltechnologie, sondern als Bestandteil durchgängiger digitaler Schadenprozesse. Der zweite BVAT Hagelscanner-Benchmark zeigte erneut eindrucksvoll, dass sich die Systeme sukzessive weiterentwickeln. Für Versicherer, Sachverständige und Reparaturbetriebe rückt jetzt die Frage in den Vordergrund, welche Systeme unter Praxisbedingungen belastbare und reproduzierbare Ergebnisse liefern – und wie daraus künftig gemeinsame Standards entstehen können.
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