2026-03-25T10:56:50+0000

VDIK: Wie blicken Automobilhersteller auf das Unfallschadenmanagement?

In den letzten Jahrzehnten haben sich viele inhabergeführte Karosserie- und Lackierbetriebe so konsequent weiterentwickelt, dass sie laut aktuellem [DAT-Report ](https://schaden.news/de/article/link/44880/dat-report-2026) im Kasko- und Haftpflichtschadenfall die Markenwerkstätten im Unfallreparaturgeschäft fast überholt haben – was die Marktanteile angeht. Ein Grund für diese Entwicklung liegt auch im Schadenmanagement der Kfz-Versicherer, die vor allem auf freie K&L-Werkstätten setzen. Doch das muss nicht so bleiben. Versicherer wie die HUK-Coburg oder Schadensteuerer wie Innovation Group setzen in letzter Zeit verstärkt auf Kooperationen mit Netzen von Automobilherstellern oder bauen selbst Markennetzwerke. ## Neue Möglichkeiten entwickeln Der Verband der internationalen Automobilhersteller (VDIK) will nun den Dialog zwischen OEM und Kfz-Versicherern intensivieren, um so perspektivisch Marktanteile für die Markenwerkstätten zurückzugewinnen. VDIK-Präsidentin Imelda Labbé brachte beim Fachdialog des Verbandes bei der Automechanika in Frankfurt dazu ein gemeinsames Schadennetz von verschiedenen Automobilherstellern ins Gespräch: „Wir müssen stärker in den Dialog mit Kfz-Versicherern eintreten, um neue Möglichkeiten im Unfallschadenmanagement zu entwickeln.“ In Frankfurt trafen sich am 24. März dieses Jahres Aftersales-Chefs aus der Automobilindustrie, Kfz-Versicherer und Branchenexperten im Rahmen der Diskussionsreihe von VDIK und Automechanika, um über verschiedene Wege zu diskutieren. ## Volkswagen setzt auf eigenes Schadennetz Peter Hermges, Leiter Aftersales Volkswagen Deutschland stellte beim Fachdialog verschiedene Analysen und Handlungsoptionen des Automobilherstellers im Unfallschadenmanagement vor. So seien die Umsatzverhältnisse von E-Autos im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrenner-Motor in der Unfallschadenreparatur um 20 Prozent höher, bei Verschleiß jedoch um 60 Prozente geringer. Die wichtigsten Handlungsfelder sieht der Aftersales-Chef von VW in der Kundenloyalisierung, Produktivitätssteigerung und Kostenoptimierung im Handel sowie in der Händlernetzoptimierung. Zudem zeigte Peter Hermges den Aufbau des VW Schadennetz vor, dass auf einer Integration von DAT myclaim basiert. ## DAT: Telematik Daten entscheidend für effizientes Schadenmanagement Über die Notwendigkeit eines digitalen Schadenökosystems sprach Jens Nietzschmann (Geschäftsleitung deutsche Automobil Treuhand). Er unterstrich in seinem Statement die Bedeutung der Telematik Daten von Fahrzeugen, um medienbruchfreie digitale Schadenprozesse weiter zu beschleunigen und Schadenkosten zu reduzieren. Jens Nietzschmann erklärte, dass es ein wichtiger Schritt sei, wenn diese Daten von den OEMs freigegeben würden. Schon heute sorge DAT myClaim bei Mercedes Benz, HUK-Coburg, Volkswagen, TÜV Süd, der Autohausgruppe Dürkop oder Ford für effizientes Schadenmanagement. Allerdings müsste jedes System auf spezifische Anforderungen konfiguriert werden,
daher sei eine Plattform für das Unfallschadenmanagement aller Automobilhersteller auch im Sinne von DAT. ## Transparenz, Kooperationswillen, echte Agilität und digitales Prozessbewusstsein Während der Fachkonferenz diskutierte VDIK-Präsidentin Imelda Labbé mit Chef-Redakteur Christian Simmert über aktuelle Herausforderungen und Notwendigkeiten für erfolgreiches Unfallschadenmanagement. Dabei kamen Teile- und Werkstattkosten zur Sprache sowie die Stärke von inhabergeführten K&L-Betrieben im freien Markt sowie die Anforderungen der „neuen Schadenwelt“ wie Transparenz, Kooperationswillen, echte Agilität und digitales Prozessbewusstsein. ## Vision: Kostenreduzierung durch vernetzte Kooperation zwischen OEM und Kfz-Versicherer In Frankfurt wurde klar, dass man von einer Kooperation zwischen Automobilherstellern und Kfz-Versicherern derzeit allerding noch weit entfernt ist. Unternehmensberater Karsten Crede stellte fest: „Versicherer, Hersteller und Markenhandel optimieren jeweils ihre eigenen Systeme – eine übergreifende Zusammenarbeit bleibt aus.“ Dennoch skizzierte Crede & Company Consulting bei der VDIK Fachkonferenz eine Vision von einem „gemeinsamen KI-gestützten Ökosystem in enger Zusammenarbeit der Versicherungs- und Autoseite“. Nach Einschätzung von Karsten Crede könnten so „Kostenreduzierungspotenziale“ entlang des gesamten Schadenprozesses realisiert werden. Nach seiner Einschätzung würden so bis zu 30 Prozent Gutachterkosten, bis zu 20 Prozent Mietwagenkosten, bis zu 10 Prozent Teilekosten und noch einmal bis zu 10 Prozent Lohnkosten eingespart werden. Eine theoretische Annahme, die so in der Praxis wohl kaum realisierbar ist. Zum Abschluss der Fachkonferenz diskutierten dann Dr. Christoph Lauterwasser (Secretary General RCAR Research), Karsten Crede (Crede & Company Consulting), Peter Hermges (Leiter Aftersales Volkswagen Deutschland), Stephen Voss (Co-Founder CEO Neodigital), Dr. Philip Wackerbeck (Partner and Global Head of Financial Services PWC Strategy) und Vincent Wild (Business Development Director, Peak 3) über Die Zukunft der Autoversicherung – neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Auto- und Versicherungsindustrie.
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