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2026-02-11T11:32:27+0000

Neuer Kollege auf Knopfdruck: Familienbetrieb Hänssler automatisiert Lackierprozess

Einer der ersten Lackierroboter in einer deutschen K&L-Werkstatt wurde in der vergangenen Woche in Göppingen in Betrieb genommen. Acht Mitarbeitende stark ist das Familienunternehmen Karosserie & Lack Hänssler GmbH, das Stephan Rinas in der zweiten Generation führt. Als neuer Kollege hat dort vor wenigen Wochen eine vollautomatische Lackieranlage ihren Dienst angetreten. ## Angespannte Fachkräftesituation als Auslöser „Auslöser war tatsächlich der Fachkräftemangel. Denn gerade in Urlaubs- oder Krankzeiten sind wir in der Vergangenheit häufiger personell an unsere Grenzen gestoßen“, berichtet der Geschäftsführer gegenüber schaden.news. Im Betrieb kommt es auf Effizienz an: Das Unternehmen arbeitet sowohl für Privatkunden als auch für größere Flotten und Fuhrparks. Auch ein großer Schadensteuerer gehört zu den Auftraggebern des Familienbetriebs. Da lag der Gedanke nahe, Prozesse durch Automatisierung zu verbessern. „Ich bin sehr technikaffin und war schon immer jemand, der Projekte perfektionieren wollte – sowohl aus umwelt-, aber auch aus prozesstechnischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten“, erklärt Stephan Rinas, wie der Gedanke in ihm reifte, in einen Lackierroboter zu investieren. „Wir haben auch eine große gesundheitliche Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und wollten an dieser Stelle für Entlastung unseres Personals sorgen“, erzählt er weiter. ## Einbau innerhalb von fünf Tagen in bestehende Kabine Nach umfangreicher Internetrecherche entschied sich der Betrieb für ein chinesisches Fabrikat mit der Bezeichnung „T1000 CurveRobot“. Die Installation des Lackierroboters verlief laut Stephan Rinas reibungslos. Der Roboter wurde innerhalb von fünf Tagen einfach in die bereits bestehende Lackierkabine eingebaut. Laut dem Geschäftsführer kann das Gerät mit jedem beliebigen Lack verwendet werden. Dieser wird fertig gemixt in einen Fließbecher gegeben. Die genauen Arbeitsanweisungen kann der Mitarbeitende über ein Display in das System des Roboters einsteuern. „Der Lackierroboter kann bis zu vier Fahrzeugteile in unterschiedlicher Farbe in einem Durchgang lackieren. Alternativ ist eine Ganzlackierung eines Fahrzeugs mit 1,80 Meter Dachhöhe möglich“, berichtet Stephan Rinas im schaden.news-Gespräch. ## So funktioniert der Roboter in der Praxis Wurde der Lackiervorgang gestartet, dockt sich der Roboterarm automatisch an den Fließbecher an und wechselt autonom seine Werkzeuge, beispielsweise die Klar- und Basislackpistole. „Ein Neun-Achsen-System ermöglicht es ihm, sich in engen Räumen zu bewegen und das Fahrzeug aus jedem Winkel abzudecken. Durch 3D-Vision und KI plant er den Sprühprozess und imitiert die Sprühbewegungen unserer Lackierer“, erklärt der Geschäftsführer. Auch Materialmenge und Ablüftzeiten können vor dem Start des Lackiervorgangs individuell per Knopfdruck eingestellt werden. Gemeinsam mit seinem Team hat Stephan Rinas den Lackierroboter in den vergangenen Tagen eingängig getestet. Vor allem von den Spezialaufträgen ist überzeugt: „Der Roboter kann auch für Dreischicht-Lackierungen oder fürs Einlackieren eingesetzt werden“, betont der 38-Jährige. Erst in dieser Woche (9.-13. Februar) wurden alle Mitarbeitenden aus der Lackierabteilung auf den Umgang mit dem Lackierroboter geschult. ## „Die jüngere Generation feiert den Lackierroboter“ Und wie kommt der Roboter bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Betrieb an? „Die jüngere Generation feiert ihn – unsere älteren Teammitglieder sind noch ein wenig skeptisch“, berichtet Stephan Rinas und stellt klar: „Es ist nicht unser Ziel, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch den Lackierroboter zu ersetzen. Im Gegenteil: Wir sind ein tolles Team, das wir in der Form, wie es jetzt ist, auch gern beibehalten möchten. Umso wichtiger ist es, Überlastungen der Kolleginnen und Kollegen zu vermeiden.“ Gerade deshalb soll der Roboter vor allem in Spitzenzeiten Entlastung bringen. Fahrzeuglackiererin Lea Rinas war eine der ersten Mitarbeitenden im Betrieb, die den Roboter getestet hat. „Der Roboter ist ein sehr ruhiger Kollege und wir sind mit den ersten Ergebnissen sehr zufrieden. Mir ist aufgefallen, dass wir deutlich weniger Staubpartikel auf der Oberfläche haben und auch weniger Lack verbrauchen“, berichtet sie. Zudem bemerkt sie eine höhere Effizienz: „In der Zeit, in der der Roboter lackiert, können wir andere, produktive Dinge erledigen – beispielsweise in der Lackiervorbereitung oder im Finish“, erklärt Lea Rinas. Übrigens: Einen Namen hat der neue Kollege noch nicht. Doch das könnte sich bald ändern, meint Lea Rinas: „Wir schauen uns erst einmal noch an, wie er so arbeitet. Manchmal braucht man ja noch eine gewisse Zeit, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Es ist nicht auszuschließen, dass der Roboter dann noch einen geeigneten Spitznamen von unserem Team bekommt.“