2026-02-04T09:19:53+0000

Man wundert sich

Wechseln wir die Perspektive: Wenn man mit Menschen spricht, die außerhalb unserer Branche unterwegs sind und nichts mit dem Schadenmanagement oder Unfallschadenreparatur zu tun haben, dann schütteln die meistens mit dem Kopf, wenn man ihnen von den aktuellen Entwicklungen in Sachen Kooperationsbetriebe und Innovation Group erzählt. In den letzten Wochen [haben wir uns sehr intensiv mit den Vertragsanpassungen, Gesprächen über Stundensätze, Provisionszahlungen und gesteuertem Reparaturvolumen im Kontext des Stuttgarter Schadensteuerers beschäftigt](https://schaden.news/de/article/link/44892/stress-mit-stundensaetzen-von-innovation-group). Es ist schon erstaunlich, wie hier im Schadenmarkt vorgegangen wird. Da werden Rabatte gegeben, ohne dafür Volumenzusagen zu bekommen. Es werden Stundensätze von Innovation Group nicht vereinbart, sondern nur bestätigt – ohne Verbindlichkeit. In den mehr als 20 Seiten starken Verträgen stehen immens viele Pflichten für Kooperationsbetriebe, aber kaum Rechte – unterschrieben werden sie trotzdem. Und die neue Tarifstruktur macht alles noch komplizierter. Kein Wunder, dass sich Außenstehende ungläubig die Augen reiben und fragen: Wie kann denn so ein Geschäft überhaupt funktionieren? Doch es funktioniert. Vielleicht auch deshalb, weil viele Kooperationsbetriebe einfach schlechte Karten haben, so ist zumindest unser Eindruck. Denn über Jahre hinweg ist die Abhängigkeit von der Schadensteuerung immer größer geworden, der Anteil des vermittelten Reparaturvolumens von Innovation Group stieg stetig. Jetzt, wo Innovation Group plötzlich den Stundensatz kräftig drückt, können viele Betriebe gar nicht anders als zähneknirschend zustimmen. Die Frage ist jedoch: Geht die Rechnung auf? Denn das Werkstattnetz von Innovation Group ist in den letzten Jahren ebenfalls stark gewachsen, möglicherweise gibt es künftig weniger zu verteilen? Und noch eine Frage steht im Raum: Werden künftig mehr Schäden im Basis-Tarif vermittelt, indem schlechtere Konditionen abgesprochen wurden? Dann könnte es für den einen oder anderen Betrieb eng werden, denn dann geht die Mischkalkulation nicht mehr auf. Erstaunlich bei unserer Recherche war auch, wie viele Kooperationsbetriebe schlichtweg gar nicht ahnen, auf was sie sich einlassen. Es gibt aber auch Partnerwerkstätten, die hart verhandeln, nicht gleich auf das erste Angebot aus Stuttgart eingehen und argumentieren, warum sie bei einer krassen Reduzierung des Stundensatzes nicht mitgehen – und dann eben den Agenturvertrag kündigen. Innovation Group kommentiert die Lage als zufriedenstellend und beschwichtigt. Einige Kooperationsbetriebe sind aufgebracht, machen schließlich aber doch mit. Am Ende des Tages läuft das Geschäft also trotzdem so weiter – und unsere branchenfremden Freunde werden sich wohl weiter verwundert die Augen reiben.
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