2026-02-04T09:19:12+0000

Stress mit Stundensätzen von Innovation Group?

In der ersten Arbeitswoche des neuen Jahres schickte Norman Kraft (Name v.d. Redaktion geändert) eine Schadenkalkulation via Audanet zum Schadensteuerer Innovation Group nach Stuttgart. Obwohl die Reparatur des Unfallschadens vermittelt wurde, ging die Kalkulation nicht durch. Fehlermeldung. Der Stundensatz stimme nicht monierte das System, berichtet der Betriebsinhaber aus Norddeutschland im Gespräch mit schaden.news. Es stellte sich nach Angaben des Unternehmers heraus, dass Innovation Group den bisher vereinbarten Stundensatz von über 100 Euro auf 90 Euro einseitig ohne Abstimmung herabgesetzt hatte. Norman Kraft wundert sich, fragt nach – und bekommt keine Antwort. Auf Nachfrage von schaden.news in Stuttgart widerspricht Innovation Group und antwortet pauschal: „Wir steuern unsere Aufträge grundsätzlich tarifgebunden. Eine einseitige Absenkung von Stundensätzen ohne Information erfolgt grundsätzlich nicht. Sollte es im Einzelfall zu Fehlern oder Irritationen gekommen sein, prüfen wir dies gern und stehen für Gespräche bereit.“ Doch auch andere Betriebe berichteten über Unstimmigkeiten. Zufall oder Absicht? ## Forderung um bis zu 20 Euro Nachlass beim Basis-Stundensatz Tatsächlich sind Kooperationsbetriebe des Stuttgarter Schadensteuerers im Januar landauf landab mit den neuen Verträgen und Gesprächen über Stundensätze beschäftigt. In vielen Interviews, die die Redaktion in den ersten Januarwochen mit knapp einem duzend Partnerwerkstätten im Norden, Osten, Westen und Süden der Republik geführt hat, zeigt sich immer wieder das gleiche Bild: Innovation Group will den Stundensatz kräftig drücken. [Hintergrund sind die Vertragsanpassungen des Schadensteuerers und der darin neu eingeführte sogenannte Basis-Tarif.](https://schaden.news/de/article/link/44841/innovation-group-bessert-vertragsaenderungen-nach) Die Gespräche über den Stundensatz werden direkt aus der Zentrale in Stuttgart geführt. Laut übereinstimmenden Aussagen von verschiedenen Betriebsinhabern in unterschiedlichen Regionen verlangt der Schadensteuerer eine Reduzierung von bis zu 20 Euro. Die Verhandlungen sollen dem Vernehmen nach aber gar keine Verhandlungen sein. „Uns wurde ein deutlich reduzierter Basis-Stundensatz mitgeteilt, für den wir im neuen Jahr arbeiten sollen“, erklärten einige Betriebsinhaber aus dem Frankfurter Raum bei einem Teams-Meeting mit schaden.news. „Wir haben abgelehnt, unseren Gegenvorschlag geschickt und keine Antwort erhalten.“ Auch aus anderen Regionen berichten Kooperationspartner darüber, dass eine Verhandlung gar nicht möglich gewesen wäre. „Argumente zu unseren Kostensteigerungen wurden nicht gehört, vom Tisch gewischt.“ In der Kritik steht immer wieder die Kommunikation der Stuttgarter. „Das ist keine Partnerschaft auf Augenhöhe“, zeigten sich hessische Betriebe erbost. Innovation Group selbst begründet seine Forderung nach geringeren Stundensätzen damit, dass im Basis-Tarif fünf Prozent Provision und die Ersatzmobilität entfallen, bzw. extra vergütet werden. Nach Meinung der Stuttgarter rechne sich dieses Modell für die Kooperationsbetriebe.
## Reißleine ziehen oder zähneknirschend zustimmen Die von schaden.news befragten Partnerwerkstätten sehen das naturgemäß etwas anders. „Wirtschaftlich waren schon die früheren Stundensätze vor dem Hintergrund der immensen Kostensteigerungen nicht“, heißt es unisono. Deshalb steigen auch Kooperationsbetriebe aus und kündigen den Agenturvertrag, wie ein Betrieb aus Ostdeutschland. Die K&L-Werkstatt hat ihre Zusammenarbeit mit Innovation Group beendet. „Für uns ist dieses Modell keine Option und die Art und Weise kein kooperatives Schadenmanagement“, erklärt der Unternehmer, der schon länger schlechte Erfahrungen gemacht hat. „Man hatte uns bereits im Herbst den Hahn zugedreht und keine Aufträge mehr vermittelt, weil wir nicht bereit waren, uns auf unsachgemäße Reparaturwege und Dumpingstundensätze einzulassen.“ Doch die Kündigung war nicht so einfach wie gedacht. „Man sagte uns, die sechsmonatige Kündigungsfrist sei einzuhalten“, erklärt der Betriebsinhaber gegenüber schaden.news. „Ein halbes Jahr sollten wir uns noch an die Direktkundenregelung halten, obwohl es keine Vermittlung mehr gibt.“ Schlussendlich einigte man sich auf eine außerordentliche Kündigung. Anders sieht die Lage bei einer Vielzahl weiterer Betriebe aus. Dort ist die Abhängigkeit von der Schadensteuerung enorm und der Druck hoch. In einem Redaktionsgespräch bezifferte ein Kooperationsbetrieb den Anteil der Schadensteuerung auf 90 Prozent, gut die Hälfte der gesteuerten Aufträge kommt von Innovation Group. Ihm bleibe nichts anderes übrig, als den Verträgen und den neuen Stundensätzen zähneknirschend zuzustimmen. ## Innovation Group: „Nahezu alle Partner haben unterschrieben“ Die Redaktion hat auch in Stuttgart nachgefragt, wie Innovation Group die Situation bewertet. Dort ist die Sichtweise wiederum eine andere. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt der Schadensteuerer: „Wir haben von unseren Kooperationspartnern grundsätzlich eine positive Rückmeldung erhalten Reparaturleistungen separat zu vergüten und die Rechnungsstellung zu vereinfachen. Dies ermöglicht eine separate Vergütung von Mobilitäts-Services. Mit der Anpassung unserer Tarife haben wir auf langjährige Forderungen unserer Kooperationspartner und dem BVdP reagiert. Bis Mitte Januar haben nahezu alle Werkstätten die neuen Bedingungen und Vertragsunterlagen unterzeichnet.“ ## „Irritationen im Einzelfall“ Auf Kritik der Kooperationsbetriebe reagiert Innovation Group in dem Statement wie folgt: „Wir nehmen die Rückmeldungen unserer Partner sehr ernst - insbesondere zu Kommunikation und Transparenz.“ Weiterhin heißt es: „Unser Anspruch ist es, Stundensatzverhandlungen professionell, nachvollziehbar und zeitnah zu führen. Sollte es im Einzelfall zu Irritationen oder fehlenden Rückmeldungen gekommen sein, prüfen wir diese sehr gerne und gehen dazu in individuelle Gespräche.“ In der Stellungnahme betonen die Stuttgarter zudem: „Wir erlauben uns den Hinweis, dass wir Servicemerkmale, die zum Beispiel in dem Komfort-Produkt inkludiert sind, exkludiert haben. Darüber hinaus wurde der Rechnungsnachlass für die Basis Reparatur abgeschafft. Das macht die Zusammenarbeit einfacher.“
## „Kein pauschales Ziel Stundesätze zu reduzieren“ Innovation Group erklärt gegenüber der Redaktion außerdem, dass es „kein bundesweites, pauschales Durchschnittsziel bei den Stundensätzen“ gebe. Die Anpassungen seien je nach Region, Betriebsprofil und Leistungsumfang stark variabel. „Die Ausgangssituation der Betriebe war bundesweit sehr unterschiedlich, weshalb wir bewusst keine einheitliche Prozentzahl festgelegt haben. Unser Ansatz war, individuell marktgerechte und wirtschaftlich tragfähige Stundensätze zu verhandeln, die den regionalen Gegebenheiten entsprechen.“ ## „Zusagen zu Reparaturvolumen nicht seriös“ Obwohl es gegenüber Partnerwerkstätten von anderen Schadensteuerern Vereinbarungen zum gesteuerten Reparaturvolumen gibt, hält Innovation Group solche Übereinkünfte für unseriös. In der Stellungnahme erklären die Stuttgarter dazu: „Wir verstehen das Bedürfnis vieler Betriebe nach festen Volumenzusagen. Aufgrund der volatilen Schadenaufkommen sind einklagbare, langfristige und berechenbare Zusagen jedoch nicht seriös möglich, da Schadenumfänge pro Versicherung regional variieren. Stundensätze werden bewusst nicht im Vertrag, sondern separat vereinbart, um flexibel bleiben zu können.“ ## „Wir finden Alternativen“ Werkstatt-Chef Norman Kraft geht im Norden der Republik längst einen anderen Weg. Er hat aus dem Vorgehen von Innovation Group auch seine Konsequenzen gezogen. Im Gespräch mit schaden.news erklärte er nun mit anderen Schadenlenkern zusammenzuarbeiten. „Auch nach Abzug der höheren Provisionen bleibt bei anderen Steuerern unter dem Strich hier einfach mehr übrig.“ Ob das in Zukunft auch so bleibt?