2023-04-05T09:31:31+0000

Schwerer Spagat und einfach skandalös!

Noch wird es wohl in Karosserie- und Lackierbetrieben keine Streiks geben. Allerdings ist unsere Branche dennoch vom Tarifkonflikt betroffen. Denn erste Arbeitsniederlegungen hat es bereits dieser Tage in Autohäusern in den Regionen Leipzig, Nürnberg und Göttingen gegeben. K&L-Betriebe, Kfz-Versicherer und Schadensteuerer, die mit bestreikten BMW- oder Mercedes-Niederlassungen zusammen arbeiten spüren die Auswirkungen des Warnstreiks. So berechtigt die Forderungen nach höheren Löhnen und Gehältern auch sind, so schwierig ist der Spagat, den die Betriebe jetzt aushalten müssen. Weitere Kostensteigerungen werden zu einer erneuten Diskussion über die Erhöhung von Stundensätzen führen. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Es muss für viele Betriebe jetzt auch ernsthaft und noch viel stärker als in der Vergangenheit um die Optimierung ihrer Prozesse gehen – und gerade für Partnerwerkstätten um eine schonungslose Bewertung, welche Kunden denn tatsächlich rentabel sind und welche eben nicht. Eine bittere Wahrheit gehört aber auch ausgesprochen: In den vergangenen Jahren waren viele Innungen geradezu stolz darauf, in Tarifverhandlungen möglichst niedrige Ausbildungsvergütungen zu schließen. Das Ergebnis ist jetzt nicht nur ein Mangel an Fachkräften sondern auch, dass Branchenberufe in einzelnen Bundesländern in den Berufsinformationszentren der Jobcenter nicht mehr zu finden sind, weil die Ausbildungsvergütung unter dem Mindestlohn liegt. Das ist skandalös! Hier müssen sich die Verantwortlichen in den Innungen an die eigene Nase fassen, wenn sie heute den Fachkräftemangel beklagen. Bleibt zu hoffen, dass Beschäftigte und Betriebe im Tarifstreit einen ausgewogenen Kompromiss finden und ein länger andauernder Streik abgewendet werden kann.
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