2026-09-23T09:56:20+0000
Gastbeitrag: Fazit des ZKF-Ehrenpräsidenten zum Schadentalk 2026
_Nachdem ZKF-Ehrenpräsident Peter Börner beim Schadentalk während der Automechanika abschließend die für ihn wichtigsten Erkenntnisse der rund zweistündigen Diskussion zusammenfasste, hat er diese nun auch noch einmal auf der Plattform LinkedIn verschriftlicht. Welche Impulse der Branchenkenner den Betrieben mit auf den Weg gibt, lesen Sie im Gastbeitrag._
___von Peter Börner___
In der Nachbetrachtung eines unglaublich inhaltsstarken Schadentalks am Freitag der Automechanika Frankfurt, bin ich den Veranstaltern dankbar, dass ich ein unmittelbares Resümee ziehen konnte. Zusammengefast habe ich aus den drei Talkrunden drei Schlüsse gezogen.
In erster Betrachtung ist es so, dass vor 4 Jahren alle gesagt haben: „Niemals wird ein Roboter eine Reparaturlackierung ausführen können“, wir vor 2 Jahren ein Lackierroboter in der Halle 11.1 sehen konnten und in diesem Jahr schon eine stattliche Anzahl davon in Funktion präsentiert wurde. Meine These: In zwei Jahren wird ein Roboter präsentiert werden, der ausbeult, spachtelt, schleift und lackiert und wir werden uns in 10 Jahren wundern, dass es keinen Handwerksmeister mehr geben wird, der einem Auszubildenden das Ausbeulen und Lackieren zeigen kann.
Meine zweite Erkenntnis ist die Tatsache, dass der Wandel in der Gesellschaft nicht dazu führt, dem eigentümer-geführtem Handwerksbetrieb neue Chancen zu bieten, sondern vielmehr große Herausforderungen. Auszubildene die anfragen, nicht mehr um 7 Uhr mit der Arbeit, sondern lieber um 8 oder 9 zu beginnen, um den benötigten Ausgleich zwischen Leistung und Freizeit zu erlangen, verändern auch die Belegschaft in den Betrieben. Menschen, die keine Entscheidungen treffen können, weil die ihnen bisweilen immer abgenommen wurden, werden keine Leistungsträger und Handwerksmeister mit Respekt und Anerkennung. Ohne diese Menschen ist aber ein Betrieb kaum in der Lage, zu bestehen.
Und dritte Feststellung ist die Beobachtung der zunehmenden Betriebs-Insolvenzen, -Schließungen, -Abwicklungen und -Verkäufe in Ketten oder andere Hände in den letzten Monaten. Hinterfragt man die Beweggründe der Entscheidungen, sieht man recht schnell den wahren Grund: Betriebsinhaber selbst oder potenzielle Nachfolger erkennen bei all den Veränderungen der letzten 10 Jahre, dass sich die Verantwortung, einen Handwerksbetrieb zu führen bei all den Vorgaben, Kürzungen, Einmischungen und Aufwände bei einem Verzicht auf ein privates Leben einfach nicht mehr lohnt. Der in Summe ist der Ertrag nahe am Aufwand des Betriebs und allein um Geld zu tauschen, ist das Opfer, was in der Verantwortung zu erbringen ist, zu hoch.
Dies wiederum zusammengefasst: Keine Scheu vor technischer Veränderung oder der KI oder Robotik, wer nur ausführt wird wegrationalisiert, wer gestaltet der wird bleiben. Ausbilden, ausbilden und ausbilden und drittens, es ist legitim mit einem Unternehmen Geld zu verdienen, sonst wirft euch alsbald die Steuerbehörde „Liebhaberei“ vor.
Gastbeitrag